Di 09.07.2019  09:30-18:00 Uhr

Tag 6   |   Workshop I und II

Workshop I
Unsere Gefühle verstehen uns - verstehen wir sie? Zum überraschenden Verhältnis von Fühlen und Sprechen.


Ein körperliches Gefühl kann präziser sein als hunderte Worte. Gerade deshalb ist es schwierig davon zu sprechen. Was man körperlich deutlich fühlt, scheint kaum sagbar. Man fühlt häufig sehr viel mehr, als man mitteilen, aber auch bewusst verstehen kann.

Heute weiß man, dass das sog. ‚Bauchgefühl’ oder die ‚somatischen Marker’ in allem Denken und Entscheiden mitwirken. Ohne diese hochkomplexen verkörperten Gefühle ist Denken, Entscheiden, ja sogar Sprechen unmöglich. Das Fühlen funktioniert in dem, was gedacht, entschieden und gesagt wird. Man könnte sagen, das Fühlen denkt und entscheidet uns, ohne dass wir es zu verstehen brauchen.  Im Focusing arbeiten das körperliche Fühlen und der Gebrauch der Sprache zusammen. Diese Art der Zusammenarbeit ist durch eine ungewöhnliche Fürsorglichkeit mit sich selbst und dem anderen gekennzeichnet. Im Beachten eines leisen Resonanz-Verhältnisses zwischen Fühlen und Verbalisieren, kann die Sprache Gefühle öffnen und transformieren - andersrum.

 

Einige Ansätze des Embodiment werden an diesem Tag vorgestellt, sowie die Methoden des Focusing, die Prof. Eugene Gendlin an der Universität Chicago entwickelt hat. Das Ziel des eintägigen Workshops ist die sanfte und heilsame Wirksamkeit einer Sprache zu erfahren, die in der Resonanz mit gefühlter Bedeutung entsteht. Damit öffnet sich ein neuer kommunikativer Spielraum. Der Workshop ist an jene gerichtet, die sich im Bereich der Therapie, Psychologie und Medizin, aber auch im privaten wie im beruflichen Umfeld nach einer Sprache der Gefühle sehnen, die nicht manipuliert oder verkürzt, sondern durch Genauigkeit entfaltet und transformiert.

Mit Prof. Donata Schoeller (CH, Island)

Workshop II
Die Arbeit mit Worten in der körperpsychotherapeutischen Praxis.


In diesem Workshop möchte der Berliner Köperpsychotherapeut Ulfried  Geuter vermitteln, wie man in der therapeutischen  Praxis mittels  des Wortes körperpsy- chotherapeutische Prinzipien wie Spüren, Erkunden, Zentrieren  oder Verkörpern realisieren kann.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können  das in einzelnen Erfahrungssequenzen erleben und in therapeutischem  Handeln ausprobieren. Sie werden miteinander  erkun- den, wie man mit Worten körperliche  Zeichen des Patienten aufgreifen oder die eige- ne somatische Resonanz einbringen  kann oder wie man Patienten helfen kann, für Körpererfahrungen und Affekte treffende  Worte zu finden. Und auch, wann wir besser schweigen und einer Erfahrung Raum geben.  Die Dichotomie  von Körper und Seele zu überwinden, ist nicht nur eine Aufgabe für die Theorie, sondern auch eine Aufgabe für die psychotherapeutische Sitzung. In dem Tages-Worskhop werden sich die Teilnehmer/innen vor allem mit einer explorativen, einer wachrufenden und einer erkundenden Sprache befassen, aber auch mit einer beru- higenden, haltenden und regulierenden.

Mit Prof. Ulfried Geuter (D)

Kostenbeitrag für beide Workshops 165 € incl. Mittagessen, Kaffee, Tee, Kuchen und Wasser

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Donata Schoeller

Donata Schoeller ist Dozentin an der Universität Koblenz und und Gast Professorin an der Universität Island. Sie ist Projektleiterin des internationalen Forschungsprojektes zum Thema Embodied Critical Thinking und unterrichtet regelmäßig an Universitäten in den USA und Israel. In der Schweiz leitet sie den Weiterbildungsstudiengang Wissenschaft und Weisheit an Universität Zürich.

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Ulfried Geuter

Prof. Dr. Ulfried Geuter ist Diplompsychologe und psychologischer Psychotherapeut in freier Praxis in Berlin. Psychoanalytiker und Körperpsychotherapeut. Professor im Masterstudiengang Motologie der Universität Marburg, Lehrtherapeut und Lehranalytiker. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen.

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